Eine Schrift haben die Aborigines nie entwickelt. All ihr Wissen, Gesetze und Traditionen haben sie von Generation zu Generation in Geschichten und Liedern weitergegeben.

Zu Zeit der Besiedlung gab es ungefähr 250 Sprachgruppen in Australien. Die Sprachen so verschieden wie Italienisch und Japanisch. Nimmt man Dialekte hinzu, kommt man auf über 750. Versucht man die Sprachregionen auf einer Karte darzustellen, sieht das ungefähr so aus:

aboriginal_australia_map

Quelle: http://raahulan.files.wordpress.com/2008/03/aboriginal_australia_map.jpg

Heutzutage, wo die verschiedenen Gruppen nicht mehr hauptsächlich unter sich leben, werden gemeinsame Sprachen zur Kommunikation wichtiger. In der Gegend um Millijiddee zum Beispiel sprechen viele Kinder und Jugendliche neben ihrer Muttersprache Walmatjarri jetzt auch Creole. Beides allerdings eher mittelmäßig. Hauptsächlich sprechen sie Englisch.

Im Gegenzug gehen viele Sprachen verloren. Das wird versucht durch das Schreiben von Wörterbüchern und Grammatiken zu verhindern. Ich denke jedoch eine Sprache lebt und muss gesprochen werden, ansonsten stirbt sie.

12. Dezember 2009, 14:52 Uhr

Aborigines leben seit über 60.000 Jahren in Australien. Dabei ist bemerkenswert, dass sie sich hier nicht evolutionsmäßig entwickelt haben, sondern übergesiedelt sind. Damals waren die benachbarten Landmassen zwar noch etwas näher, dennoch war es eine mehrtägige Bootsreise über die offene See. Und das zu einer Zeit, als der Homo Sapiens noch nicht in Europa angekommen war!

Im Laufe der nächsten paar Tausend Jahre haben sich die Aborigines vom Norden her entlang der Küsten und zuletzt in die Mitte ausgebreitet wobei eine Vielzahl von Stämmen entstanden ist.

Jeder Stamm hatte ein Gebiet, in dem er halb-nomadisch lebte. Die Jahreszeiten bestimmten den Lebensrhythmus. Dabei hat jede Region ihre eigene variable Anzahl von Jahreszeiten, mit Namen wie “Viele Fische”, “Nach dem langen Regen” oder “Kalt und trocken”. Je nach Wetter und Nahrungsangebot sind die Stämme in ihrem Gebiet umhergezogen. Dabei haben sie selbstverständlich nie alle Ressourcen verbraucht, damit sich der Bestand bis zum nächsten Jahr erholen kann. Gewohnt haben sie, je nach Wetter, in einfachen Busch-Hütten oder Fels-Höhlen.

Über ganz Australien verteilt gab es mehrere Hundert Stämme. Deshalb ist es sehr schwierig über “die Aborigines” zu reden. Was in einer Ecke Australiens stimmt, muss noch lange nicht für alle anderen zutreffen. Meine nächsten Artikel müssen oder können also nicht unbedingt universell zutreffen.

Nahrung haben sich die Aborigines in bester “Jäger und Sammler”-Manier beschafft. Die Männer sind auf die Jagt gegangen, während die Frauen Insekten, Früchte und Pflanzen gesammelt haben. Sie haben ein so detailliertes Wissen über die Pflanzen und Tiere (Verhalten, Gewohnheiten, Vorlieben, …), dass sie heute in vielen Nationalparks die Ranger ausbilden und Forscher immer wieder aufs Neue beeindrucken.

Die Kinder werden von Geburt an mitgenommen. In den ersten Jahre lernen sie von den Frauen über “Bush Tucker” (Nahrung im Busch), danach lernen die Mädchen Sachen wie Körbe flechten, Kleidung nähen und so weiter. Die Jungen werden von den Männern mit auf die Jagt genommen und lernen Spuren lesen, Fallen bauen und jagen.

Ihr Lebensstil hat sich bis auf die letzten zweihundert Jahre kaum geändert. So haben die ersten Entdecker die Aborigines vorgefunden, wie sie schon seit tausenden von Jahren lebten, weshalb sie die Ureinwohner als “primitiv” eingestuft haben. Diese Meinung teilen auch heute noch viele Australier. Rassismus ist weit verbreitet und Sprüche wie “Aborigines sind näher am Affen als am Menschen” habe ich mehr als einmal gehört.

Zugegeben, in Hütten leben und immernoch Jäger und Sammler in Reinform zu sein sieht auf den ersten Blick primitiv aus, verglichen mit dem Leben im achtzehnten Jahrhundert in Europa. Aber was ist primitiv?

Auch wenn die Lebensweise der Aborigines sehr einfach war, hatten und haben sie ein enormes Wissen über jeden Aspekt ihres Landes (Gegend, Tiere, Pflanzen, alles) und eine ausgefeilte Gesellschaftsstruktur und Kultur (Artikel kommen ;-)).

Ist weniger Können nicht primitiver als mehr? Und wer von uns könnte ohne den ganzen Zivilisations-Schnickschnack überleben? Heute wird Survival als eine Art hohe Kunst angesehen. Alltag für Aborigines.

11. Dezember 2009, 09:30 Uhr

Ich weiß gar nicht wofür Melbourne eigentlich berühmt ist. Architektur? Design? Für mich ist es auf jeden Fall Straßenkunst oder genauer die Graffitis. In einigen kleinen Seitengassen haben Sprayer die Erlaubnis bekommen sich auszutoben. Die Gassen zweigen zwar alle von Hauptstraßen im Stadtzentrum ab, trotzdem bekommt man nach ein paar Metern dieses ganz besondere Gefühl, dass man sein Portmonee sichert und sich zwangsweise alle vier Sekunden umdreht :-)

Graffiti 1Graffiti 2Graffiti 3
Graffiti 4Graffiti 5Graffiti 6

Die Kunst-Gassen sind zwar über das relativ große Stadtzentrum verteilt, trotzdem konnte ich alle völlig problemlos in den letzten Tagen angucken. Seit wir in Melbourne angekommen sind, renne den ganzen Tag durch die Stadt und organisiere Zeugs: Steuern, Zoll, Altersvorsorge, neue Windschutzscheibe, Autositze, Tickets, …

Außerdem war es Zeit AbschieDirty Quadd von meinem Quad zu nehmen. Gestern habe ich es bei der Spedition abgeliefert. Die packen es jetzt in eine Kiste, die Kiste in einen Container, den auf ein Schiff und dann schippert es gemütlich über den Ozean und kommt hoffentlich heil in ein paar Monaten in Hamburg an.

Und wo ich gerade von Abschied schreibe: Seit heute bin ich wieder alleine unterwegs. Floria geht über das Wochenende nochmal fliegen und ich fahre morgen oder übermorgen weiter. Geplant hatte ich eigentlich als nächstes nach Tasmanien zu gehen. Die Fähre ist allerdings bis Ende Januar ausgebucht. So wird wenigstens Sydney etwas entspannter mit Auto verkaufen und all dem Zeug ;-)

10. Dezember 2009, 14:01 Uhr

Erstmal ein kurzer Nachtrag zu Adelaide. Mein erster Eindruck von der Stadt war wirklich gut: Nicht zu groß, BBQfreundliche Atmosphäre, viel Grün, einfach nett. Am ersten Abend gab es in einem der Parks ein öffentliches, kostenloses BBQ, veranstaltet von irgendeiner neu gegründeten Kirche… Die wollten aber gar keine Jünger werben, sondern nur mal “Hallo” sagen. Ja, gerne doch. So haben wir bei einem der besten BBQs die ich bisher in Australien hatte ein paar locals getroffen und prima Tipps für Adelaide bekommen.

Die Stadt selbst ist für australische Standards relativ alt und bietet einen interessanten Architekturmix. Überall findet man alte Fassaden vor modernen Glastürmen. Die Stadt und die Parks erkundet man am besten mit dem Fahrrad. Genialer Weise kann man die in Adelaide kostenlos mieten.

Architektur 1Architektur 2

Auf dem Weg von Adelaide nach Melbourne gab es im Grampiens Nationalpark und entlang der Great Ocean Road wieder wunderbare Natur.

Grampiens 1Grampiens 2Grampiens PanoramaGreat Ocean Road

Bevor wir nach Melbourne eingebogen sind, gab’s noch ein spontanes und unerwartetes SegelfliegerHighlight. Floria ist Segelfliegerin und wollte unbedingt einmal in Australien fliegen. Nun ergab es sich, dass ein Club nicht weit ab von unserem Weg lag. Eben angerufen, hingefahren und kurze Zeit später saß ich in einem Segelflugzeug :-)

Von einer Cessna wurden wir auf 3500 Fuß geschleppt und zwei Minuten später war ich Pilot! Linkskurve, Rechtskurve, hey, das ist cool :-D Damit aber nicht genug. Mein Pilot (also der echte) fliegt schon über 25 Jahre und irgendwann wurde ihm wohl langweilig, weswegen er angefangen hat Akrobatik zu fliegen. Und ich habe eine Kostprobe bekommen.

Nase runter, im Sturzflug auf über 100 Knoten beschleunigen, Nase flughoch und Loooooping! Und nochmaaaaal! Steil hoch ziehen bis das Flugzeug fast in der Luft steht und über einen Flügel abkippen, wieder Sturzflug und Looping anders herum. Woooah! Ich wusste nicht, dass sowas mit einem Segelflugzeug möglich ist - das ist wie eine Achterbahn!

Leider kosten diese Spielereien recht viel Höhe und die Thermik um neue Höhe zu kriegen wurde kurz vorm Start vom Seewind davon geblasen. Deshalb war mein Flug leider nach nichtmal zwanzig Minuten vorbei. Aber vielleicht gehe ich nächstes Wochenende wieder fliegen :-)

9. Dezember 2009, 04:29 Uhr

In den Kommentaren zum Artikel über Millijiddee habe ich versprochen, dass ich mehr zum Thema Aborigines schreibe, wenn ich das nächste Mal Langeweile habe. Langeweile habe ich nicht wirklich, aber mir ist das Thema wichtig und vielleicht interessiert sich der ein oder andere dafür. Deshalb habe ich mich entschieden eine Artikel-Serie zum Thema Aborigines, Kunst, Kultur und Geschichten zu starten. Bitte seid nicht schüchtern und stellt jede Frage die ihr habt einfach in den Kommentaren.

Der Übersicht halber kommen alle Artikel in die Kategorie Aborigines. Wenn ihr nur die Artikel dieser Kategorie sehen wollt, klickt einfach auf den Link rechts in der Sidebar.

Disclaimer: Ich bin kein Experte und alles was ich in den folgenden Artikeln schreibe kann gut und wohl falsch sein. Sobald ich das herausfinde, werde ich es berichtigen.

2. Dezember 2009, 09:23 Uhr

Jeder, der schon immer mal ein Australisches Handy anrufen wollte, kann das ganze jetzt auch günstig machen. Mit der Sparvorwahl 01067 kostet eine Minute in das australische Handynetz 6 Cent. Aber achtung, wenn ihr einen anderen Anbieter als die Telekom habt, kann es sein, dass diese Sparvorwahl nicht funktioniert und ihr deutlich mehr zahlt!

Meine Handynummer ist übrigens 0061 45 845 25 12 :-)

1. Dezember 2009, 09:24 Uhr

Seit über einem Jahr bin ich mal wieder an ein Datum gebunden: Mein Abflugdatum. Am vierten Januar ist meine Zeit in Australien vorüber. Auf nach Taiwan! Julian besuchen :-D

30. November 2009, 09:42 Uhr

Wie schon erwähnt, auf dem Weg zwischen Alice Springs und Adelaide gibt es nicht viel. Auf halbem Weg gibt es jedoch Coober Pedy, eine Stadt der ganz besonderen Art.

Es ist einer der paar Orte in Australien in denen Opal abgebaut wird. Es liegt mitten in der Wüste und die meiste Zeit des Jahres ist es extrem heiß. Relativ schnell haben die Arbeit rausgefunden, dass es in ihren Tunneln eigentlich viel angenehmer temperiert ist, als an der Oberfläche. Also haben sie angefangen Untergrund zu leben.

Wo die Menschen früher einfach in ihren Mienen gelebt haben, werden die Wohnungen heute speziell ausgegraben. Und es gibt wirklich alles Untergrund: Buchläden, Kunstgalerien, Museen, Kirchen, Hotels, … Wir haben unterirdisch gecampt. Das geniale an der ganzen Buddelei ist, wenn man Glück hat, findet man beim ausgraben der Wohnung genug Opal um für die Ausgrabung zu bezahlen ;-)

KircheDugoutTunnelCamping

29. November 2009, 11:36 Uhr

2%

Endlich ist es soweit. Seit ich geplant habe nach Australien zu gehen, steht er auf meiner ToDo-Liste: Ayers Rock. Oder eher Uluru, wie er jetzt (wieder) genannt wird, was der aborigine Name ist.

Wir sind gegen Abend angekommen, mit perfektem Timing um Uluru im Sonnenuntergang zu sehen. Anstatt leuchtender Farben gab’s aber eher Weltuntergang. Dicke Gewitterwolken überall. Die sahen kuhl aus, Uluru jedoch eher grau als leuchtend rot. Aber wir sind ja gerade erst angekommen und morgen ist es bestimmt besser. Also sind wir zum Campingplatz gefahren, haben gegessen und uns recht früh ins Zelt verkrochen, da wir am nächsten Tag den Sonnenaufgang sehen wollten.

cloudsgrey Ulurublack UluruDark Suki

Wie sollte es anders sein, mitten in der Nacht brechen die Wolken auf, es schüttet wie aus Eimern und wir ertrinken fast in unserem Zelt. Das Zelt habe ich in die Toiletten gerettet und mich selbst ins Auto (Floria war schon lange da). Da haben wir gewartet bis der Schauer vorüber ist und uns entschieden den Rest der Nacht lieber auf den Bänken im Kochbereich zu schlafen, als das völlig durchgeweichte Zelt nochmal aufzustellen.

Auch wenn die Nacht nicht die erholsamste war, Freeezing!sind wir um 4:30 Uhr aufgestanden und wieder zum Uluru gefahren um uns den Sonnenaufgang anzugucken. Und es war bitter kalt. Mir ist nie in den Sinn gekommen, dass ich ausgerechnet hier, in der Mitte von Australien, frieren würde. Okay, eigentlich war es immernoch 21 Grad warm, aber wenn man an 41 Grad gewöhnt ist, ist das wie von 25 Grad auf 5 Grad. Und das ist kalt.

Man kann nicht sagen, dass der Sonnenaufgang nicht spektakulär war, aber es war anders als erwartet:Cloudy morning Regnerisch und bewölkt, anstatt klar und sonnig. Im Besucherzentrum wurde uns erklärt, wie glücklich wir uns eigentlich schätzen können, da nur 2% aller Besucher Uluru im Regen zu sehen bekommen. Hm. Na gut. Ist ja nur Wasser und wenn’s von unten kommt finde ich’s ja auch kuhl. Also auf geht’s: 10 Kilometer Wanderung um den Felsen herum.

Am Startpunkt angekommen sind wir mit dem letzten Donnerschlag aus dem Auto ausgestiegen und ich habe wirklich kurz gezweifelt: Weltuntergangs-wolken, Donner und ich starte eine zwei Stunden Wanderung?!

Ich habe keine Ahnung welcher gute Geist auf img_6494unserer Seite war, aber der letzte Donnerschlag war wirklich der letzte. In der ersten halben Stunde unserer Wanderung hat es aufgeklart und wir hatten wunderbar blauen Himmel, Fotowolken und Wasserfälle (Rinsale) vom Plateau herunter. Ich weiß nicht wieviel Prozent der Besucher das geboten kriegen.

Über den Uluru sagt man, dass er von jedem Winkel und in jedem Licht anders aussieht. Kann ich bestätigen.

morningmiddaysunset 1sunset 2

Generell ist Uluru ziemlich polarisierend. Besucher sind entweder total begeistert, oder es ist “halt nur ein großer Felsen”. Ich war begeistert.

28. November 2009, 10:00 Uhr

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28. November 2009, 09:56 Uhr