Aborigines leben seit über 60.000 Jahren in Australien. Dabei ist bemerkenswert, dass sie sich hier nicht evolutionsmäßig entwickelt haben, sondern übergesiedelt sind. Damals waren die benachbarten Landmassen zwar noch etwas näher, dennoch war es eine mehrtägige Bootsreise über die offene See. Und das zu einer Zeit, als der Homo Sapiens noch nicht in Europa angekommen war!
Im Laufe der nächsten paar Tausend Jahre haben sich die Aborigines vom Norden her entlang der Küsten und zuletzt in die Mitte ausgebreitet wobei eine Vielzahl von Stämmen entstanden ist.
Jeder Stamm hatte ein Gebiet, in dem er halb-nomadisch lebte. Die Jahreszeiten bestimmten den Lebensrhythmus. Dabei hat jede Region ihre eigene variable Anzahl von Jahreszeiten, mit Namen wie “Viele Fische”, “Nach dem langen Regen” oder “Kalt und trocken”. Je nach Wetter und Nahrungsangebot sind die Stämme in ihrem Gebiet umhergezogen. Dabei haben sie selbstverständlich nie alle Ressourcen verbraucht, damit sich der Bestand bis zum nächsten Jahr erholen kann. Gewohnt haben sie, je nach Wetter, in einfachen Busch-Hütten oder Fels-Höhlen.
Über ganz Australien verteilt gab es mehrere Hundert Stämme. Deshalb ist es sehr schwierig über “die Aborigines” zu reden. Was in einer Ecke Australiens stimmt, muss noch lange nicht für alle anderen zutreffen. Meine nächsten Artikel müssen oder können also nicht unbedingt universell zutreffen.
Nahrung haben sich die Aborigines in bester “Jäger und Sammler”-Manier beschafft. Die Männer sind auf die Jagt gegangen, während die Frauen Insekten, Früchte und Pflanzen gesammelt haben. Sie haben ein so detailliertes Wissen über die Pflanzen und Tiere (Verhalten, Gewohnheiten, Vorlieben, …), dass sie heute in vielen Nationalparks die Ranger ausbilden und Forscher immer wieder aufs Neue beeindrucken.
Die Kinder werden von Geburt an mitgenommen. In den ersten Jahre lernen sie von den Frauen über “Bush Tucker” (Nahrung im Busch), danach lernen die Mädchen Sachen wie Körbe flechten, Kleidung nähen und so weiter. Die Jungen werden von den Männern mit auf die Jagt genommen und lernen Spuren lesen, Fallen bauen und jagen.
Ihr Lebensstil hat sich bis auf die letzten zweihundert Jahre kaum geändert. So haben die ersten Entdecker die Aborigines vorgefunden, wie sie schon seit tausenden von Jahren lebten, weshalb sie die Ureinwohner als “primitiv” eingestuft haben. Diese Meinung teilen auch heute noch viele Australier. Rassismus ist weit verbreitet und Sprüche wie “Aborigines sind näher am Affen als am Menschen” habe ich mehr als einmal gehört.
Zugegeben, in Hütten leben und immernoch Jäger und Sammler in Reinform zu sein sieht auf den ersten Blick primitiv aus, verglichen mit dem Leben im achtzehnten Jahrhundert in Europa. Aber was ist primitiv?
Auch wenn die Lebensweise der Aborigines sehr einfach war, hatten und haben sie ein enormes Wissen über jeden Aspekt ihres Landes (Gegend, Tiere, Pflanzen, alles) und eine ausgefeilte Gesellschaftsstruktur und Kultur (Artikel kommen ;-)).
Ist weniger Können nicht primitiver als mehr? Und wer von uns könnte ohne den ganzen Zivilisations-Schnickschnack überleben? Heute wird Survival als eine Art hohe Kunst angesehen. Alltag für Aborigines.