Das Wissen der Aborigines wurde rein verbal von Generation zu Generation weitergegeben. Dabei darf aber nicht jeder alles Wissen. Kinder zum Beispiel, hören bis zu einem bestimmten Alter hauptsächlich Geschichten, die eine Moral transportieren.
Wenn Kinder ungefähr sechzehn Jahre alt sind, werden sie initiiert. Das heißt, sie werden in das Erwachsenen-Leben überführt. Dazu werden die Jungen von den Männern und die Mädchen von den Frauen zu ihren heiligen Stätten gebracht. Dabei ist interessant, dass Frauen und Männer unterschiedliche heilige Stätten haben. Bei weitem nicht an allen Stätten sind Männer und Frauen erlaubt. Manche sind für Männer tabu, manche für Frauen.
Hier lernen sie “das große Ganze”. Sie werden in Geheimnisse eingeweiht, hören wichtige Geschichten, lernen magische Tänze, erfahren alle Gesetze und Hintergründe und lernen ihre Rolle in der Gemeinschaft. Außerdem lernen sie ihre Geschichten und Tänze. Jeder Aborigine besitzt gewisse Geschichten und Tänze. Er hat eine starke Verbindung zu ihnen, kennt alle ihre Bedeutungen und Details. Es ist seine Aufgabe sie am Leben zu erhalten. Dazu wird er sie seinen Kindern bei ihrer Initiierung beibringen. Das ganze geht sogar so weit, dass manche Geschichten nicht ohne die Erlaubnis des Besitzers von jemand anderem erzählt werden dürfen.
Dieses System ist der Schlüssel zum erfolgreichen verbalen Wissenstransport. Es ist einfach zu viel Wissen, als dass eine Person sich alles merken könnte. Mit der Aufteilung des Wissens wird es machbar und die starke Verbindung zwischen Mensch und Wissen stellt sicher, dass nichts vergessen wird. Gleichzeitig stellt das System ein Problem dar: Es gibt nicht viele Geschichten die jeder kennen darf. Somit sind alle Geschichten die man als nicht-initiierter Aborigine irgendwo hören oder lesen kann lediglich unterhaltsamer Kinderkram :-). Ich werde trotzdem ein paar bloggen.
Wissen über etwas haben, ist also etwas besonderes in Gesellschaft der Aborigines. Es ist, soweit ich weiß, sogar das einzig wirkliche Statussymbol. Wer mehr weiß, ist höher angesehen. Und da auch Aborigines nie auslernen, sind die Ältesten am höchsten angesehen. Jede Gemeinschaft hat einen Ältesten-Rat, der Entscheidungen trifft, die die ganze Gemeinschaft betreffen. Dieser Rat ist auch das Gericht. Verletzt jemand das Gesetz, wird er bestraft - und das Strafmaß ging bis zur Todesstrafe.




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